Monday, May 31, 2010

Britpop: Louise Wener war dabei

Eins meiner Allzeit-Lieblings-Pop-Bücher ist Louise Weners “Gute Nacht, Steve McQueen” von 2002. Ein schöner kleiner Roman über eine schöne kleine Indieband, geschrieben von der ehemaligen Sängerin der schönen, kleinen Britpop-Band Sleeper. Dass ich damals überhaupt auf das Buch gestoßen bin, ist reiner Zufall. Entdeckt habe ich es auf einem Supermarkt-Wühltisch, wo es mir trotz unsäglicher Frauenbuch-Covergestaltung a la Ildiko von Kürthy und Ramschpreis von 2,99 Euro gleich aufgefallen ist. Dass die dort beschriebene, sehr lustige Geschichte einer aufstrebenden Nachwuchs-Band stark autobiographisch geprägt ist, liegt angesichts der Vorgeschichte der Autorin nahe. Nun hat Wener aber ein neues, echt-autobiographisches Buch geschrieben, ohne Schlüsselfiguren, dafür mit echten Namen, echten Figuren, echten Bands: “Different for Girls: My True-Life Adventures in Pop”, heißt es. Da das Buch noch gar nicht erschienen ist, kenne ich nur den kleinen Ausschnitt, der in der “Times” vorab gedruckt worden ist. Aber der macht Appetit auch auf den Rest des Buchs. Die Buhmänner in diesem kurzen Abschnitt sind übrigens meine Lieblinge von Blur, die dort als Groupie-vertilgende, ewig versoffene, arrogante Arschlöcher beschrieben werden, die völlig unverhältnismäßig ausflippen, als Wener und ihre Band-Kollegen, als Vorgruppe von Blur gebucht, heimlich Käse vom Catering-Teller der Hauptband mopsen.

Friday, December 18, 2009

Horst knipst Mods

Der Fotograf Horst A. Friedrichs hat ein Buch gemacht mit Fotografien aus der Mod-Szene, der wohl britischsten aller Subkulturen. Bei Zeit Online gibt es ein Video-Interview mit ihm, auf seiner eigenen Seite kann man sich viele Fotos auch online anschauen. Ganz starke Bilder!

Tuesday, November 24, 2009

Schweinegrippe mit Nick Hornby

jn.jpg Letzte Woche war ich krank, und da habe ich mir die Zeit anstatt mit Scheppermusik lieber mit Büchern vertrieben. Ich habe Ken Folletts “Die Tore der Welt” endlich zu Ende gelesen (gehört hier nicht hin: kein Pop) ein Buch über die Résistance (gehört hier nicht hin: ist aus Frankreich), und das neue Buch von Nick Hornby (jetzt aber!). “Juliet, Naked” heißt der Roman, und der Titel bezeichnet nicht etwa ein nacktes Mädchen, sondern die neu abgemischte Version einer imaginären LP namens “Juliet” - analog zu “Let It Be, naked” von den Beatles. Diese LP stammt von einem berühmten (imaginären) Sänger namens Tucker Crowe, der in den 80er Jahren von einem Tag auf den anderen von der öffentlichen Bildfläche verschwunden ist, und über dessen Verbleib - analog zu Syd Barrett - seitdem in Fan-Kreisen intensiv gefachsimpelt wird, vor allem in Internet-Foren. Sänger? LP? Sollte Nick Hornby etwa wieder zu seinen schreiberischen Anfängen zurückgekehrt sein, als er mit seinem Pop-Roman “High Fidelity” berühmt wurde? Nicht wirklich. Denn die Musikwelt, das Fansein, das bei “High Fidelity” noch Kern und Thema der Geschichte war, ist bei “Juliet, Naked” nur noch Kulisse für eine Beziehungs-Geschichte, die Hornby gewohnt nachdenklich und einfühlsam erzählt. Insofern schließt “Juliet, Naked” eher an die letzten Bücher Hornbys wie “A Long Way Down” an, als an sein Frühwerk. Trotzdem merkt man dem Buch an, dass der Autor das alles schon selbst erfahren hat: Musik als Offenbarung zu erleben, die quasi-religiöse Verehrung von Stars, Reisen zu mystischen Orten der Rock-Geschichte. Vielleicht sucht Hornby sich für seine nächste nachdenklich und einfühlsam erzählte Geschichte ja mal wieder das Thema Fußball aus, wie in “Fever Pitch”? Nur als Kulisse, reicht doch schon.

Friday, October 9, 2009

Alternative zu Herta Müller: David Nicholls

zwei.jpg Mein britischer Lieblingsautor ist - abgesehen natürlich von Nick Hornby - David Nicholls. Seine Romane “Ewig Zweiter” und “Keine Weiteren Fragen” sind witzig, geistreich, ironisch, eine gute Portion kitschig und überhaupt einfach schön zu lesen. Jetzt ist von Nicholls ein neues Buch auf Deutsch erschienen, “Zwei an einem Tag”, das - soweit ich das sehe - von der Kritik allseits gefeiert wird und ihm jetzt wohl endlich den verdienten Durchbruch bringt. Anders als bei seinen beiden ersten Büchern herrscht bei “Zwei an einem Tag” ein nachdenklicherer Ton vor. Hier philosophiert der ehemalige Schauspieler und Drehbuchautor Nicholls über die Liebe, über Beziehungen und übers Älterwerden und macht so aus einer eigentlich blöden, weil sehr konstruierten, Grundidee - der Roman erstreckt sich über 20 Jahre, spielt aber ausschließlich immer am selben Datum - ganz tolle Literatur.

Tuesday, April 21, 2009

Superbuch: Punk Fiction

Supergroup nennt man eine Band, die sich aus Musikern zusammensetzt, die ohnehin schon berühmt sind. Im Fall von “Punk Fiction” müsste man analog dazu von einem Superbook sprechen: Zahlreiche Größen der britischen Independent-Szene haben dafür Kurzgeschichten beigesteuert, die von Punk-Songs inspiriert worden sind. Mit dabei (u.a.):
Kele Okereke (Bloc Party)
Billy Childish
Billy Bragg
Alison Mosshart (The Kills)
Paul Smith (Maximo Park)
Kate Jackson (Long Blondes)
Das Vorwort hat Johnny Marr (The Smiths) geschrieben.
Als Inspiration für die Kurzgeschichten dienen Bands wie The Buzzcocks, The Ramones, The Ruts und die Sex Pistols.
Von den ohnehin nicht teuren 9,99 Pfund, die das Buch kostet, geht auch noch ein Pfund an die Kinderkrebshilfe. Ein Kapitel (das von Maximo Parks Paul Smith) hat der Independent vorab veröffentlicht.punkfiction.jpg