Monday, December 22, 2008

Mein erster Arztroman

Es wird Euch überraschen, aber die einzige Fernsehserie, die ich regelmäßig gucke, ist nicht Eastenders, The Office oder irgendwas anderes Britisches, sondern Dr. House. Warum das so ist, kann ich gar nicht so richtig sagen, ich bin da irgendwie reingerutscht - auf jeden Fall liegt es nicht daran, dass der Hauptdarsteller Hugh Laurie ein Engländer ist (was ich ohnehin erst später erfahren habe). Was Laurie nun aber wirklich zu einem Fall für Brit-Blog werden lässt, ist die Tatsache, dass er ein Buch geschrieben hat, man ihn also zu 100 % einen Brit-Autoren nennen kann. Ein schreibender Schauspieler, fragt Ihr jetzt? Ich war ja auch skeptisch. Zumal “Bockmist” bereits in den 1990er Jahren (unter dem Titel “Der Waffenhädler”) erschienen ist und sich erst jetzt, nach Lauries Fernseherfolgen neu aufgelegt, richtig gut verkauft. Doch das Buch ist richtig gut. Es ist ein skurriler Agententhriller, der aber mehr komisch als spannend ist und vor allem vom Sprachwitz lebt. Mit Dr. House hat das Ganze überhaupt nichts zu tun, dafür viel mit britischem Humor und viel Londoner Lokalkolorit.

Monday, November 3, 2008

Lachsfischen im Jemen

Kann ein Buch Popliteratur sein, wenn der Autor die 60 bereits überschritten hat? Ja, denn “Lachsfischen im Jemen” von Paul Torday ist so rasant, skurril, komisch und durchgedreht, als wäre es von einem 30-Jährigen. Es geht um…nunja, Lachsfischen im Jemen eben. Ein spleeniger Scheich ist von der Idee besessen, Lachse in jemenitischen Flüssen anzusiedeln und heuert dafür einen englischen Fischereifachmann an. Der will erst nicht mitmachen, wird aber von höchster politischer Stelle aus dazu gedrängt. Bei den British Book Awards wurde Torday dafür als “Newcomer” ausgezeichnet. Mit 61. Cool.

Wednesday, June 25, 2008

Welsh ein Roman!

Es gibt nur wenige Autoren, bei denen ich sofort in den Buchladen renne, wenn von ihnen ein neuer Roman erscheint, und deren Bücher ich ohne großes Durchblättern sofort kaufe. Einer dieser Autoren ist Irvine Welsh, einst zu Recht wegen “Trainspotting” berühmt geworden und danach zu Unrecht in der Versenkung verschwunden, obwohl seine folgenden Bücher (vor allem “Klebstoff”) die gleiche Klasse haben. Das gilt auch für Welshs jüngsten Roman “Die Bettgeschichten der Meisterköche”, ein gewohnt durchgeknalltes, vielleicht sogar selbst für Welsh-Verhältnisse außergewöhnlich durchgeknalltes Buch voller Sex, Gewalt, Drogen, Punk, Alkohol und Schottland. Es geht um einen völlig abgefuckten, fertigen Typen aus Edinburgh, der sich auf die Suche nach seinem Vater macht, dessen Namen seine Mutter ums Verrecken nicht verraten möchte. Das einzige, was er verlässlich weiß ist, dass sein Vater damals Koch war und seine Zeugung Anfang 1980 geschah, zur Zeit des Punk also (die Handlung beginnt auf einem Clash-Konzert). Die Suche gestaltet sich in Welsh-typischer Art turbulent, brutal, und an manchen Stellen so ekelig, dass ich dagegen selbst “Feuchtgebiete” harmlos fand. Doch im Gegensatz zu Charlotte Roche ist Welsh ein exzellenter Schriftsteller, der immer mitreißt und zwischen all dem Krach und Horror viel Liebevolles und sogar Zärtliches versteckt - genau wie ein guter Punk-Song.

Monday, January 7, 2008

Britbuch

England, 1982. Thatcher, Falkland, Kalter Krieg. Jason, ein Teenager aus einem Kaff im Herzen von England, schlägt sich durchs Leben, stets auf der Hut, den coolen Jungs gegenüber nicht als Weichei oder gar “Homo” zu gelten. Käme heraus, dass er heimlich Gedichte schreibt und einen mühsam kaschierten Sprachfehler hat, wäre er sofort geliefert - glaubt Jason zumindest. “Der 13. Monat” von David Mitchell ist ein wundervoller Roman übers Aufwachsen und gleichzeitig so britisch, wie es britischer kaum geht - deshalb die Empfehlung hier bei britblog.de!